Landesverband Prostatakrebs Selbsthilfe NRW e.V.

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 Kategorien : Medikamente Präzisionstherapie

 

Zum „Tanz“ zwischen Tumor und Immunsystem

Leider ist unser Immunsystem im Kampf gegen den Krebs nicht immer erfolgreich. Denn manchen Krebszellen gelingt es, sich zu „tarnen“ und so der körpereigenen Immunabwehr zu entkommen. Dafür manipulieren sie bestimmte Schaltstellen unseres Immunsystems – sogenannte Checkpoints –und setzen so das Abwehrsystem des Körpers außer Kraft. So produzieren beispielsweise verschiedene Tumorarten den „Programmed Death Liganden 1“ (PD-L1). Interagiert dieses Protein mit den Rezeptoren PD-1 und B7.1 auf den T-Zellen, werden diese deaktiviert. Das bedeutet: PD-L1 wirkt wie eine Art Stopp­schild für unser Immunsystem und die Krebszellen haben freie Fahrt.

Wie in einer aktuellen Publikation der Fachzeitschrift „Cell“ (4. April 2019, P414-427) berichtet, könnte dies jedoch nicht der einzige Selbstschutzmechanismus von Krebszellen sein. Zwar wurden die durchgeführten Untersuchungen lediglich an Mäusen durchgeführt, jedoch ist durchaus denkbar dass die Ergebnisse auf Menschen übertragbar sein und damit wertvolle neue therapeutische Ansätze ermöglichen könnten.

Die in Cell veröffentlichte Studie konzentrierte sich interessanterweise auf Darm- und Prostatakrebs, also Krebserkrankungen, die sich dem Wirkprinzip von Immuntherapeutika bisher weitgehend verschliessen.

Üblicherweise blockieren die auf dem Markt befindlichen verschiedenen Immuntherapeutika mittels Antikörpern ein Signal, das Tumore senden, um das Immunsystem zu stoppen. Dieses Signal wird von Tumorzellen über das  Molekül PD-L1 gesendet, das sich auf der Oberfläche einiger, aber nicht aller Tumorzellen befindet, was dazu führt, dass die Medikamente Schwierigkeiten haben, dieses Signal auf der Zelle zu finden und  zu stören.

Die neue Cell-Studie gibt Hinweise darauf , dass selbst wenn Tumore dieses PD-L1-Molekül nicht auf ihrer Oberfläche haben, sie das PD-L1 Molekül aber immer noch dazu benutzen, das Immunsystem in die Irre zu führen. Anstatt auf der Oberfläche zu erscheinen, wird das Molekül vom Tumor stattdessen in den Körper geschickt, wo es zu den Verteilerzentralen des Immunsystems, den Lymphknoten und zu den Zellen gelangt, die sich dort ansammeln.

“Sie hemmen die Aktivierung von Immunzellen aus der Ferne”, so Dr. Robert Blelloch, an der University of California in San Francisco. Die Wissenschaftler entdeckten, dass sie eine Maus von Prostatakrebs heilen konnten, wenn sie das die Tumorzellen verlassende und in Richtung Lymphknoten wandernde PD-L1 entfernten, welches das Ziel verfolgt das Immunsystem auszu“tricksen“. Nachdem dieses PD-L1  entfernt war, gelang es dem Immunsystem den Krebs zu attackieren. Darüber hinaus schien das Immunsystem der gleichen Maus einen Tumor auch dann angreifen zu können, als das driftende PD-L1 später wieder zugeführt wurde. Dies legt für die Wissenschaftler den Schluß nahe, dass es möglich sein könnte, das Immunsystem so zu trainieren, dass es einen Tumor erkennt, ähnlich wie ein Impfstoff ein Immunsystem trainieren kann Viren zu erkennen und unschädlich zu machen.
Ein ähnlicher Mechanismus der extrazellulären Freisetzung („exosomal“)  von PD-L1 Molekülen durch Hautkrebszellen wurde bereits in der August Ausgabe 2018 von “Nature“ berichtet.

2018 erhielten die Forscher James P. Sllison und Tasuku Honjo den Nobelpreis für ihre wegweisenden Arbeiten zur Immuntherapie, die letztendlich auch zur Entwicklung neuer Immuntherapeutkika wie zum Beispiel von Ipilimumab, Nivolumab oder Pembrolizumab führte.

Bis zur Entwicklung weiterer effektiver Immuntherapeutika für den Prostatakrebs sind noch viele Studien notwendig, nicht zuletzt auch deshalb um überschiessende Reaktionen des Immunsystems zu umgehen, aber es könnte sich hier um eine wichtige Studienerkenntnis handeln, die Hoffnung für viele Erkrankte bedeuten könnte.

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